Kreisverband Bodenseekreis

Kein Schnellboot für den Bodensee

Der geplante Katamaran ist untauglich, unökologisch, unökonomisch und rechtlich fragwürdig

Der von den verantworlichen Politikern aus Prestigezwecken, gegen erhebliche Widerstände aus allen Bevölkerungsgruppen, durchgeboxte Katamaran zwischen Friedrichshafen und Konstanz kann kein einziges der von den Befürwortern genannten Ziele verwirklichen:

 

1. Verbesserung des ÖPNV-Angebotes:

Die Qualität des Öffentlichen Personennahverkehrs steht und fällt mit der Anzahl der Haltestellen. Wenig Haltestellen, wie im Falle des Katamarans geplant (der zwischen den Häfen in Friedrichshafen und Konstanz keine weiteren Häfen anlaufen soll), führen zu langen Anfahrts- bzw Fußwegen oder erfordern zusätzliches Umsteigen. Beides verlängert die Reisezeiten und verringert dadurch die Resonanz in der Bevölkerung, zumal mit dem Städteschnellbus bereits ein echtes ÖPNV-Angebot mit mehreren Zwischenstopps in und zwischen den beiden Städten besteht. Auch der Erfolg der Bodensee-Oberschwaben-Bahn zwischen Friedrichshafen und Ravensburg / Aulendorf ist zum großen Teil auf die vielen Haltestellen zwischen diesen Orten zurückzuführen und wäre ohne diese nicht möglich gewesen.

Eine weitere wichtige Voraussetzung für die Akzeptanz eines ÖPNV-Systems in der Bevölkerung ist ein für die große Mehrheit bezahlbarer Fahrpreis - das trifft auf die momentan von den künftigen Betreibern genannten Beträge von weit über 10 DM für eine einfache Fahrt sicherlich nicht zu, zumal dazu in den meisten Fällen noch weitere Kosten wie Parkgebühren oder Fahrkarten für Bus und Bahn kommen.

 

2. Verringerung des Schadstoffausstoßes durch Verkehrsverlagerung vom PKW auf den Katamaran:

Die oben genannten Gründe lassen die von den Befürwortern des Katamarans genannten Fahrgastprognosen - und damit die Verringerung des PKW-Verkehrs - als völlig unrealistisch erscheinen. Schätzungen des BUND gehen von einem um zwei Drittel geringeren Fahrgastaufkommen als die von den künftigen Betreibern gennanten Zahlen aus (maximal 538 statt 1.500 Beförderungen pro Tag). Somit ist mit der Katamaranverbindung keine Verringerung, sondern im Gegenteil eine Erhöhung von Schadstoffausstoß und Energieverbrauch zu rechnen: Der Katamaran verbraucht mehr Treibstoff (1.471 Tonnen pro Jahr) und stößt mehr Stickoxide aus (40 Tonnen pro Jahr), als durch die geringfügige Verringerung des PKW-Verkehrs eingespart wird (Einsparung hier: 361 Tonnen Treibstoff und 7,4 Tonnen Stickoxide pro Jahr). Andere Berechnungen und Abschätzungen, beispielsweise des Bodensee-Segler-Verbandes, führen zu ähnlichen Ergebnissen.

 

3. Der Katamaran soll bereits nach wenigen Jahren schwarze Zahlen einfahren, also den Steuerzahlern nichts kosten:

Die Ausführungen unter 1. und 2. zeigen deutlich, dass der Karamaran auf unabsehbare Zeit auf hohe öffentliche Zuschüsse in Millionenhöhe angewiesen sein wird - und das bei äußerst fragwürdigem Nutzen für die Bevölkerung und erheblichen negativen Auswirkungen auf die Umwelt (siehe Punkt 1 und 4). Die für den, von der ödp und den Umweltverbänden geforderten, Ausbau der Schnellbusverbindung bebötigten Subventionen betragen nur etwa ein Viertel der für den Katamaran verschwendeten Mittel! Und das bei deutlichen Vorteilen für Fahrgäste und Umwelt, Seglern und Fischern gleichermaßen.

 

Damit erweisen sich die Argumente der Befürworter dieses Projektes bei genauerer Betrachtung allesamt als Argumente gegen das Projekt. Dazu kommen noch

 

4. Erhebliche Beeinträchtigungen europäisch bedeutsamer Vogelschtzgebiete durch den Katamaran:

Die Konstanzer Bucht ist ein Lebensraum von europäischer Bedeutung und steht als international bedeutsames Rast- und Überwinterungsgebiet für Zugvögel unter besonderem Schutz. Die geplante Katamaran-Verbindung ist damit nicht in Einklang zu bringen. Sie verstößt somit, nicht nur nach Auffassung der ödp, gegen die einschlägigen Naturschutzgesetze.

 

(Siehe auch die Pressemitteilungen vom 27.November 1998, 15.Juni 1999 und 3. Dezember 2001 sowie den Leserbrief vom 7. Dezember 2001)